Daseinsvorsorge 4.0 – Kommunal & Digital, wie geht das zusammen? (Rückschau auf das VKU-Innovationsforum 2019)

(6 Minuten Lesezeit)

Auftakt des VKU-Innovationsforums 2019 in Leipzig

Mit dem VKU – Innovationsforum startete die VKU Akademie unter dem Titel „Business Development: kommunal.digital.smart“ am 4. Dezember 2019 ein neues Veranstaltungsformat. Gastgeber waren die Leipziger Stadtwerke und geladen wurde in das Vienna House Easy Leipzig. Das zentrale Thema der Event-Prämiere war die Frage, wie sich Kommunalwirtschaft und Digitalwirtschaft gegenseitig befruchten können, damit daraus Mehrwerte für Kunden und Unternehmen entstehen. 

Verschiedene Themensessions lieferten einen roten Faden, dem das Event folgte. Aus ganz Deutschland waren Geschäftsführer*Innen, Fach- und Führungskräfte kommunaler Unternehmen, Stadtwerke und Energieversorger aus den Bereichen Business Development, Produktmanagement und -entwicklung, Innovationsmanagement, Marktforschung, Marketing und Vertrieb nach Leipzig angereist. Gemeinsam nutzten sie den Tag, um sich intensiv darüber auszutauschen, wie sich die Branche der Ver- und Entsorger innovativ, disruptiv und kreativ weiterentwickeln kann.

Business Development für die Versorgungsbranche

Immerhin geht es hierbei längst nicht nur um die Anwendung neuer Technologien auf bestehende Geschäftspraktiken, bekannt als “business-as-usual”. Vielmehr bringen die neuen IT- und Querschnittstechnologien, wie Big Data, Blockchain, Smart Technologies, Künstliche Intelligenz u. v. a. gänzlich neue Optionen hervor. Mit ihnen vergrößern sich Spielräume und Handlungsmöglichkeiten. Nur benötigen sie ebenfalls Anwendungen, sogenannte Use Cases, in denen sie ihren Nutzen und ihre Wirtschaftlichkeit unter Beweis stellen.

So ist zwar immer wieder vom Zauber, der den Daten innewohnt, zu hören. Doch die Aufgabe besteht darin, den Zauber zu entfesseln. Das gelingt nur, indem daraus Produkte und Services verpackt in Geschäftsmodellen entstehen, die die Nutzer begeistern. Diese gilt es zu entwickeln und in die Welt der Kunden zu bringen. Das heißt, es geht um Business Development. Nur kann längst nicht behauptet werden, dass Business Development bisher zur Kernaufgabe kommunaler Unternehmen gehörte. Jedenfalls bislang nicht.

Doch im selben Atemzug, wie sich die Welt durch Technologien verändert, ändern sich auch Märkte, Geschäftsmöglichkeiten und -modelle. Das stellt Unternehmen der Kommunalwirtschaft vor die spannende Frage, wie sieht „Daseinsvorsorge 4.0“ aus? Welche Leistungen stehen dahinter? Welche Ressourcen, Mitarbeiter, Fähigkeiten braucht es für die Anpassung und Neujustierung nicht nur von Geschäftsmodellen – ebenso von Organisationen, Strukturen, Kulturen und vielem mehr. Ebenso geht es um Partnerschaften, Strategien und Weichenstellungen entsprechend vorhandener Wertschöpfung und dem Einbinden von regionalen Assets.

Die einzelnen Programmpunkte des VKU-Innovationsforum 2019

Diese Themen und Fragen standen in den einzelnen Themensessions im Fokus. Sie treiben aktuell viele Stadtwerke und kommunale Versorger um. Bei dem VKU-Innovationsforum 2019 ging es daher nicht nur um bloße Theorie, sondern um einen waschechten Praxisaustausch bezogen auf Projekte, Anwendungen und Erfahrungen. Zudem konnten die Teilnehmenden des VKU-Innovationsforums selbst agiles Arbeiten ausprobieren und eine Vorstellung davon bekommen, wie daraus Innovationen in Unternehmen angestoßen und Ideen für neue Projekte und Dienstleistungen entstehen können.

Erster Programmpunkt: „Disruption trifft Tradition“

Der erste Themenblock „Disruption trifft Tradition“ beschäftigte sich mit der Frage, wie Unternehmen den digitalen Wandel überleben können. Hier gab Uwe Fischer, Bereichsleiter IT, von den Stadtwerken Leipzig GmbH als Gastgeber des Events den Auftakt. Sein Vortragstitel lautete: „Unser Datenschatz: Mit regionalen Daten zum neuen Produkt.“ So berichtete er, wie Stadtwerke es schaffen ihren, Datenschatz zu heben, indem sie die ihnen zur Verfügung stehenden Daten analysieren und nutzen, um daraus neue Produkte entstehen zu lassen.

Anschließend zeigten Thomas Abels, Bereichsleiter Unternehmenssteuerung und -entwicklung, der EMERGY GmbH und Stefanie Kemp, Mitglied des Präsidiums, Digital Advisor, eco-Verband der Internetwirtschaft e.V. in ihren Vorträgen, wie Disruptionen Wandel anstoßen und beim Erschließen neuer Geschäftsoptionen helfen. Mit #KommunalDigital folgte ein weiteres Beispiel aus der Praxis von Dr. Arne Sildatke, Leiter VKU KommunalDigital, der VKU Service GmbH.

Zweiter Programmpunkt: Drei parallele Themensessions

Im Anschluss an die Kaffeepause wählten die Teilnehmenden des VKU-Innovationsforums eine von drei parallellaufenden Themensessions zu den Themen:

  • Themensession 1: „Wie geht Business Development?“
  • Themensession 2: „Von der Datenanalyse zum neuen Geschäftsfeld“
  • Themensession 3: „Kooperative Produktentwicklung“

 

Zu 1) Themensession 1: „Wie geht Business Development?“

Dass es beim Business Development nicht nur um die Einführung und Anwendung neuer Methoden geht, sondern um kreative Freiräume, stellten Henning Baumann, Geschäftsführer, Stratege, Coach & Befähiger von der WeCreation GmbH sowie Violetta Meyer, Innovationsmanagerin der Stadtwerke Amberg Holding GmbH in ihrem gemeinsam durchgeführten Workshop unter Beweis. Erst da wo Freiräume sind, können Ideen entstehen und sich entfalten. Dabei sind Freiräume jeglicher Art gemeint – Entscheidungs- und Mitgestaltungsfreiräume, genauso wie Kommunikationsfreiräume.

Wie wichtig Freiräume zum gegenseitigen Austausch und Verständigen sind, wurde mit dem Empathie-Prototyping verdeutlicht, einem Teilbereich des sogenannten Design Thinking. Mit dem Methodensatz des Design Thinking arbeitet WeCreation. Allerdings verfolgen sie dabei einen ganzheitlichen, den Menschen in den Mittelpunkt stellenden Ansatz. „Wir zeigen damit, wie Ideen einfacher kommuniziert und schneller konkretisiert werden können,“ sagt Henning Baumann, Geschäftsführer der WeCreation GmbH. „Diese können schnell und kostengünstig entwickelt und in Teams reflektiert werden“, ergänzt er. Wie Empathie-Prototyping sich in Alltag und Praxis überführen lässt, zeigten sie mit einem Blick hinter die Kulissen von Energieversorgern. Einen Einblick in die Umsetzung agiler Projekte gab Violetta Meyer, Innovationsmanagerin der Stadtwerke Amberg.

 

Zu 2) Themensession 2: „Von der Datenanalyse zum neuen Geschäftsfeld“

Was wie ein Gegensatz klingt, muss es jedoch nicht sein. Das zumindest machte Dr. Michael Benz, Geschäftsführender Gesellschafter der Benz + Walter GmbH in seinem Vortrag „Kundenzentrizität durch Digitalisierung: Der Entwicklungspfad hin zum datengetriebenen Unternehmen“ deutlich. „Durch die Digitalisierung kann der Paradigmenwechsel vom prozess- zum kundenzentrierten Unternehmen vollzogen werden,“ erklärte Dr. Michael Benz. „Bisher besteht bei den meisten kommunalen Unternehmen allerdings noch keine einheitliche Sicht auf den Kunden bzw. bestehende Kundensegmente sind noch nicht trennscharf genügend formuliert, so dass eine Vorhersage des Kundenverhaltens möglich ist. Darüber hinaus muss sich der Kunde auf unterschiedlichen Unternehmensplattformen („Silos“) anmelden und es fehlt eine gemeinsame Plattform, die die erforderlichen Daten zusammenführt und allen Beteiligten zur Verfügung steht,“ so Dr. Benz weiter.

Jedoch könne der Schritt zur Kundenzentrizität nur schrittweise erfolgen und müsse entlang von Datenintegrationspfaden erfolgen. Dafür seien Datenschutz, Datenmodelle und Datenanalysen unerlässliche Voraussetzungen. Wobei der Anwender immer im Fokus stehen müsse und auf Basis seiner Wünsche und Bedürfnisse sich erst Mehrwerte generieren ließen. Allerdings sei dieser Prozess und die Umsetzung der „Datenanalyse“ nicht ohne entsprechend qualifizierte Mitarbeiter*Innen machbar. Ebenso spielen die Themen „Datenqualität“ und „Datenhoheit“ (Data Governance) eine wichtige Rolle. Welche Möglichkeiten schließlich Datenanalysen und neue digitale Tools zur Unterstützung des Vertriebsgeschäfts böten, darüber referierte Sören Hägel, Leiter Unternehmensstrategie und -entwicklung der WSW Energie & Wasser AG.

 

Zu 3) Themensession 3: „Kooperative Produktentwicklung“

Was Innovationen und Sex gemeinsam haben, dieser Thematik widmete sich Alexander Zuza, Leiter Digitalisierung und Innovation der Stadtwerke Düren GmbH in der dritten Themensession. Anschauliche Praxisbeispiele lieferte Dr. Fabian Feldhoff, Fachgebietsleitung Business Development der SWU Stadtwerke Ulm / Neu-Ulm GmbH. Dabei lag der Fokus auf Kooperationen als Teil der Geschäftsmodell-Innovation und Beispiele von SWU-Produktentwicklungen.

 

Dritter Programmpunkt: „Kommunalwirtschaft innovativ. So geht’s!“

Mit drei weiteren Impulsen gaben Vertreter von Stadtwerken und Energieversorger Einblicke, wie sie Innovationen in ihren Unternehmen greifbar machen. Der erste Impuls kam von Dr. Olaf Heil, Technischer Geschäftsführer, Stadtwerke Karlsruhe GmbH zum Titel „Innovationsmanagement bei den Stadtwerken Karlsruhe: Vom Think Tank zum Produkt“. Im zweiten Impuls griff Dr. Florian Samweber, Leiter Stabsstelle für Innovation, Stadtwerke Augsburg Holding GmbH das Thema Innovation unter dem Titel seines Vortrags „Mit ganzheitlichem Blick zu Innovationen bei den Stadtwerken Augsburg“ auf. Welche Bedeutung Ökosysteme für Innovationen haben, führte abschließend Dr. Ralf Walther, Senior Manager Business Development, EWE AG in seinem Impuls „Digitale Produkte in einem konservativen Umfeld: Ein Ökosystem als Katalysator für Innovation“ aus. Die daran anschließende Diskussion moderierte Jarno Wittig, Geschäftsführer, VKU Service GmbH.

Wrap up: Neues auf Bestehendem und Bewährten aufbauen oder einfach mal radikal anders machen?

Die zahlreichen Fallbeispiele und Use Cases beim VKU-Innovationsforum zeigten, wie befruchtend der Austausch zwischen Branchenvertretern untereinander wirkt. Mit neuen Ansätzen, Herangehensweisen, Perspektiven und Blickwinkeln lassen sich Innovationen in die Kommunalwirtschaft tragen. Dabei spielen Daten zwar für die Etablierung neuer Produkte, Services und Geschäftsmodelle eine zentrale Rolle. Doch ohne Blick auf die Menschen und eine entsprechende Neujustierung in Unternehmen geht es nicht. Denn allzu oft liegt der Fokus auf technischen und wirtschaftlichen Aspekten, allen voran Methoden, Tools und Daten.

Dass es bei Transformationen ebenso immer auch um Menschen, Werte und gelebte Kultur geht, sollte nicht außer Acht bleiben und stärker in den Fokus rücken. Schließlich zählen die Mitarbeitenden zu den Hauptressourcen von Unternehmen. Das wird spätestens dann deutlich, wenn sie fehlen oder Stellen nicht besetzt werden können. Ebenso lohnt bei aller Technik der Blick auf die regionalen und lokalen Gegebenheiten, die ebenfalls Assets sind. Hier liegen oft weitere Schätze verborgen. Diese zusammen mit Partnern vor Ort zu heben, kann gerade für kommunale Ver- und Entsorger ein aussichtsreiches Unterfangen sein.

Einladung zum Stadtwerke Innovators Day #sid2020

Bei all dem einen klaren und fokussierten Blick zu behalten, wird dabei sicher eine der Hauptherausforderungen sein, um sich strategisch neu auszurichten.  Auf welche Faktoren es bei der strategischen Neupositionierung ankommt, wie und in welchen Bereichen sich Stadtwerke und kommunale Versorger als „digitale Daseinsversorger“ positionieren können und sich damit neue Businesswelten erschließen, möchten wir mit Euch gemeinsam am 19. Januar 2020 bei unserem Stadtwerke Innovators Day (#sid2020) auf den Puls fühlen. Im gewohnten und bewährten Barcamp-Format gestalten wir gemeinsam mit Euch den Tag und stellen Eure Themen in den Mittelpunkt.

Wer möchte, kann sich hier unter folgendem Link zum #sid2020 anmelden.

Wir freuen uns auf euer Dabei-sein und Mitgestalten sowie auf ein Wiedersehen im Neuen Jahr!

 


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