Marktanalyst meets Design Thinker

Wenn man zum ersten Mal von Design Thinking hört, könnte man meinen, dass es sich wieder mal nur um einen neuen Trendbegriff aus dem amerikanischen Raum handelt. Ganz falsch liegt man damit sicherlich auch nicht, schreibt sich doch mittlerweile gefühlt jeder zweite diesen oder ähnliche Ansätze auf die Fahne.

Umso gespannter war ich daher darauf, mir im Rahmen des dreitägigen Open-Course am Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam ein eigenes Bild machen zu können.

Kaum am HPI angekommen ging es dann auch schon los. Wer eine entspannte Frontalveranstaltung mit den üblichen Powerpoint-Orgien erwartet wird ziemlich schnell eines Besseren belehrt. Schon nach kurzer Zeit wird klar: Die nächsten drei Tage werden anstrengend, das aber zu jeder Zeit im positiven Sinne. Nachdem die Einführung am ersten Vormittag geschafft ist, geht es direkt mit dem eigentlich Projekt los. Aufgeteilt in acht Teams á 5 Leute, jeweils mit einem ausgebildeten Coach vom HPI, bearbeiten wir alle die gleiche Problemstellung:

“Wie kann man das Wahlerlebnis für junge Leute verbessern?”

Ein Themenfeld so weit, dass man sich beim ersten Gedanken daran eher ein über mehrere Jahre angelegtes und Millionen von Euro teures Projekt vorstellen würde. Unsere Aufgabe war es nun innerhalb der nächsten zweieinhalb einen ersten Prototypen zu entwickeln, der vielleicht zur Lösung beitragen könnte und diesen an einigen Personen aus der Zielgruppe “junge Leute” zu verproben. Die wichtigsten Instrumente dafür: Stift, Post-it und eine gesunde Portion Zeitdruck.

Interviews am Hauptbahnhof

Nachdem wir uns innerhalb der Gruppe klar geworden sind, was wir für eine Vorstellung von dem Thema haben, ging es dann auch schon mit der Vorbereitung der Interviews los. Anders als es häufig im Alltag der Fall ist, geht es nämlich beim Design Thinking nicht damit los erst mit einem schon “perfekten” Produkt beim Kunden aufzutauchen und es diesem zu präsentieren. Damit soll vermieden werden, was in der Praxis noch viel zu oft vorkommt: Die meisten Produkte überleben nicht einmal den ersten Kontakt mit dem Kunden. Am Potsdamer Hauptbahnhof sprachen wir also mit jungen Menschen über ihre bisherigen Erlebnisse mit Wahlen und versuchten dabei herauszuhören, wie man diese verbessern könnte. Dabei erstaunte mich insbesondere die Offenheit, mit der die Befragten mit uns als Wildfremden über ein doch recht persönliches Thema wie Wahlen gesprochen haben.

Prototyping, rapid!

Am nächsten Tag ging es dann daran unsere neu gewonnen Erkenntnisse in ein Produkt zu gießen, das wir dann am letzten Tag des Kurses unseren Testpersonen zum Ausprobieren geben konnten. Dabei sollte man sich jedoch nicht vom “Design” in Desgin Thinking täuschen lassen. Ziel war es nicht, perfekt polierte Produkte zu entwickeln. Heraus kamen stattdessen aus Pappe, Lego und allerlei anderen Hilfsmittel zusammengeschusterte Prototypen, die sich letztlich jedoch als erstaunlich gut für eine erste Verprobung erwiesen.

Keine Angst vor echten Menschen

Mit dieser näherte sich der Kurs am Samstag dann auch seinem Höhepunkt. Unsere mit Pappe und Post-its “programmierte” App wurde auf unsere Kunden losgelassen. Erstaunlich schnell wurde uns dabei schon beim ersten Tester klar, welche unserer Ideen gut funktionierten und welche gelinde gesagt verbesserungsbedürftig waren. Auch das ist einer der Kerngedanken von Design Thinking: Früh scheitern! Mit schnell durchgeführten Änderungen waren die nächsten Tests dann schon erfolgreicher.

Was habe ich nun gelernt an diesen drei intensiven Tagen?

Verdient Design Thinking die große Aufmerksamkeit, die es aktuell bekommt? Auf einen eher analytisch und nüchtern an Probleme herangehenden Menschen wirkt der Ansatz teilweise etwas verspielt. Das Konzept ist jedoch schlüssig und viele der Kerngedanken sollten sich öfter zu Herzen genommen werden, wenn es an die Entwicklung neuer Produkte geht. Ich war erstaunt, wie schnell man in der Gruppe zu einem unbekannten Thema gemeinsam eine Lösung entwickeln kann, wenn man dazu gezwungen wird. Die größte Stärke des Design-Thinking-Konzepts ist meiner Meinung nach dann auch, dass viele gute Methoden zu einem stimmigen Gesamtansatz verbunden werden. Alleine sorgt keiner davon für Begeisterung, gut kombiniert erhält man jedoch ein sinnvolles Konzept, das den Nutzer in den Vordergrund stellt.


Zurück zur Übersicht

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz
Thanks!

EFM-Newsletter

Energie-Informationen frisch auf den Tisch!

Mit der Anmeldung bestätigen Sie die Verarbeitung der E-Mail-Adresse gem. Datenschutzerklärung.

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit. Aenean commodo ligula eget dolor. Aenean massa. Cum sociis natoque penatibus et magnis dis parturient montes, nascetur ridiculus mus. Donec quam felis, ultricies nec, pellentesque eu, pretium quis, sem. Nulla consequat massa quis enim. Donec pede justo, fringilla vel, aliquet nec, vulputate eget, arcu. In enim justo, rhoncus ut, imperdiet a, venenatis vitae, justo. Nullam dictum felis eu pede mollis pretium. Integer tincidunt. Cras dapibus. Vivamus elementum semper nisi. Aenean vulputate eleifend tellus. Aenean leo ligula, porttitor eu, consequat vitae, eleifend ac, enim.